Kling Klang

 

Inhalt:

- Text von "Nummern" und "Computerwelt2"

- Interview mit Ralf Hütter von 1991

 

Für alle die Besucher, denen der Name dieser Seite nichts sagt sei folgendes erklärt:

"Kling Klang" ist die Bezeichnug des Tonstudios der Düsseldorfer Klangerfinder Ralf Hütter und Florian Schneider, mit zum Teil wechselnden Mitgliedern besser bekannt unter dem ausdrucksvollen Namen KRAFTWERK.

Nun gibt es im weltweiten Netz der Informationen schon sehr viel, auch Hintergründiges zu erfahren. Ich meine jedoch auch noch einige Kleinigkeiten beitragen zu können, um wenigstens die Basisinformationen zu vervollständigen.

Es handelt sich hierbei zum einen um den vollständigen Text der ineinander übergehenden Stücke Nummern und Computerwelt2 vom Album Computerwelt:


eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht

 

one two (englisch)

 

un deux trois (französisch)

 

uno due tre quattro (italienisch)

 

un uno deux dos trois cuatro

(franz. span. franz. span. franz. span.)

 

itchi ni san chi (japanisch)

 

odin dva tri (russisch)

 

348.573.130.000

(dreihundertachtundvierzigmilliarden

fünfhundertdreiundsiebzigmillionen

einhundertdreißigtausend)

 

1226,312

(zwölfhundertsechsundzwanzigkommadreieinszwo)

 

1.578.321,9602

(einemillion

fünfhundertachtundsiebzigtausend

dreihunderteinundzwanzigkommaneunsechsnullzwo)


Gerade der Text der letzten 66 Sekunden von Computerwelt2 war trotz intensiver Suche für mich nicht auffindbar, der Text von Nummern auf vielen Seiten sogar fehlerhaft.

Vollständig bedeutet auch hier nicht, dass es sich um einen Text zum Mitsingen handelt. Dies dürfte bei den Überschneidungen ohnehin schwierig werden. Vielmehr sollte jedes gesprochene Wort mindestens einmal erwähnt werden. Gerade für nicht deutsch sprechende Freunde der Gruppe dürfte dies interessant sein.

Einschränkung:

Ich habe den Text nur durch Zuhören ermittelt. Es könnte daher sein, dass es anstelle von ,9602 (kommaneunsechsnullzwo) auch ,9 (kommaneun) 602 (sechshundertzwo) lautet. Hilfe könnten mir sicherlich die Gruppenmitglieder von KRAFTWERK geben.

Allzu groß sind meine Hoffnungen allerdings diesbezüglich nicht, KRAFTWERK wäre sicher nicht was es ist (die Mensch-Maschine aus Deutschland), wenn die Akteure mit ihren Anhängern offen kommunizieren würden.

 


Zum anderen möchte ich hier die selbst erstellte Abschrift eines Interviews aus der letzten Juliwoche des Jahres 1991 präsentieren, welches von Radio FFN durch den Moderator Ecki Stieg mit Ralf Hütter geführt wurde.

Ich habe die entsprechende einstündige Sendung seinerzeit auf Audio-Cassette aufgenommen, die wichtigen Passagen existieren natürlich jetzt auch als MP3-Dateien. Ich habe mich bei der Erstellung der Abschrift für eine möglichst absolut originalgetreue Version entschieden, welche sämtliche Versprecher, Halbsätze oder "Verlegenheitslaute" (ääh, mmh, ...) enthält.

Gerade Ralf Hütter erscheint dadurch besonders ehrlich und authentisch. Man hat den Eindruck, er denkt einige Male einfach nur laut nach. Im Gegensatz dazu mag Ecki Stieg seine Fragen zwar so im Wortlaut gestellt haben, zu hören sind jedoch mit Sicherheit nachträglich im heimischen Studio aufgenommene, versprecherfrei vorgetragene Fragen. Hinweis darauf ist die deutlich unterschiedliche Raumakustik. Abgesehen von diesem Schönheitsfehler ist das Interview verhältnismäßig informativ. Dies ergibt sich fast schon allein aus dem Umstand, dass Ralf Hütter vor diesem Zeitpunkt stets wenig, später gar nichts mehr verlauten ließ.


“Die Roboter“ (“The Mix“) wird gespielt

 

Einleitung von Eckie Stieg:

“Die Roboter“. KRAFTWERK von ihrem Album “The Mix“. “Die Roboter“ beziehungsweise “The Robots“ war auch einer der Höhepunkte bei den Konzerten, die KRAFTWERK in der letzten Woche in England gegeben haben. Ein “Warm up“, ein Aufwärmen für eine geplante Welttournee mit Konzerten in den USA, Japan und auch in Deutschland.

Viel hat man von KRAFTWERK im letzen Jahrzehnt nicht gehört, ganze zehn Jahre liegt ihre letzte Tournee zurück und in diesem Zeitraum haben KRAFTWERK gerade mal zwei LPs veröffentlicht, nämlich Computerwelt 1981 und Electric Cafe 1986. Das neue KRAFTWERK-Album “The Mix“ das in diesem Jahr, fünf Jahre nach der letzten LP erschien, beinhaltet kein neues Material, ist aber auch kein Remix-Album. “The Mix“ ist eher ein Zufallsprodukt. KRAFTWERK-Mastermind Ralf Hütter bezeichnet es gar als Live-Album, denn es enthält die für die Bühnenshow digital eingespielten Versionen alter Klassiker. Einige Songs wurden dabei fast in der Originalversion nachgespielt, andere radikal aktualisiert. Ein Grund für diese Neueinspielung ist auch das digitale Aufnahmeverfahren, das den alten, im Original minimalistisch eingespielten Stücken neue Dimensionen verleiht.

 

“Computerliebe“ (“The Mix“) wird gespielt

 

“Computerliebe“. Die ’91er Version von dem “The Mix“-Album. Im Original zu hören auf der ’81er KRAFTWERK-LP “Computerwelt“. Obwohl mit Titeln wie “Die Roboter“, “Trans Europa Express“ oder “Autobahn“ einige DER klassischen KRAFTWERK-Stücke auf “The Mix“ vertreten sind, fehlen Hits wie “Das Model“, “Neonlicht“ oder “Tour de France“. Wie wurden die Stücke für “The Mix“ ausgewählt? - Ralf Hütter

 

Ralf Hütter:

 

Ja, wir haben diese ääh zunächst genommen, die äh ... ääh sich gut zum Mixen eignen, wir haben sich halt ergeben bei der Arbeit – Vorbereitung für die Tournee äh, die auch eine neue Gestalt annehmen öhm..... und dann haben wir halt dann in schneller Auswahl die zuerst ääh ööh .. ausgewählt.

Eckie Stieg:

 

Der Dance-Charakter steht bei “The Mix“ ohne Zweifel im Vordergrund und wenn es eine Kritik an “The Mix“ gibt, dann die, dass die melodisch romantischen Elektropop-Balladen wie “Das Model“ oder “Spiegelsaal“ fehlen und dass der sphärische Grundcharakter in Stücken wie “Radioaktivität“ dem Dance-Groove weichen musste.

 

Ralf Hütter:

 

In Konzerten oder so Live-Situationen ist die Dynamik in unserer Musik ääh etwas stärker als auf Platte ... mmh durch den Energiespiegel in irgendwelchen Situationen und äähm dadurch ist die rhythmische Intensität etwas größer und äh wenn wir mmh jetzt live gespielt haben eben gestern oder so ist es noch stärker als auf Platte ... und .. äähm die Räumlichkeit der Musik kommt halt dann raus aber wir haben natürlich auch andere Passagen, ... die ganz lyrisch sind oder so wo reine unrhythmische Klänge einfach nur vorbeifliegen.

 

“Neonlicht“ (“Mensch Maschine“) wird gespielt

 

Eckie Stieg:


“Das Model“. KRAFTWERK. Hier die Originalversion von ihrer ’78er LP die “Mensch Maschine“. Bewegung – Mechanik waren immer schon die Hauptthemen der KRAFTWERK -Musik und ihrer Konzept-LPs. Autofahren bei “Autobahn“, die Zugfahrt bei “Trans Europa Express“ oder das Fahradfahren bei “Tour de France“. Eine Thematik, die sich aus der KRAFTWERK -Ideologie der Mensch-Maschine ergibt. Mensch und Maschine müssen eine Einheit sein. Eine Vision, eine Ideologie, die KRAFTWERK in den ’70ern und frühen ’80ern viel Kritik einbrachte. Große Teile der damals noch technologiefeindlichen Linken Szene warfen KRAFTWERK sogar faschistoide Züge vor. Heute dagegen, wo der Heimcomputer längst in jedem Kinderzimmer zu finden ist, gelten die alten LPs von KRAFTWERK retrospektiv als wegweisende, prophetische Werke.


Ralf Hütter:

 

Die Mensch-Maschine, die Faszination für diese Zusammen... mmmhh...für das Zusammensein ja von Menschen und Maschinen das interessiert uns schon, eben gerade in der heutigen Zeit äh ist das doch das Thema überhaupt und wir ....mm.... waren eigentlich immer in Bewegung, wir reisen und wir ..... ähm..... Musik ist irgendwie auch sehr beweglich. Das hat uns immer irgendwie so fasziniert, dadurch kommt das irgendwie ganz direkt und auch .. äh .. mmh .. die .. das Wesen von verschiedenen Dingen einfach auszusprechen, die Roboter sprechen durch sich selbst - Wir sind auf alles programmiert und was du willst wird ausgeführt – und ähm die ganzen Mechanismen in ähm diesem Medienzusammenhang - und das hat uns irgendwie fasziniert.

“Computerwelt“ (“Computerwelt“) wird gespielt

Eckie Stieg:


“Computerwelt“. Das Titelstück der ’81er KRAFTWERK LP. KRAFTWERK gelten nicht zuletzt auch im Ausland als DIE typisch deutsche Band schlechthin. Doch abgesehen von der Tatsache, dass sich die von KRAFTWERK beeinflusste Techno-Musik zu einer neuen europäischen Pop-Tradition entwickeln könnte, waren KRAFTWERK schon 1977, lange bevor das vereinte Europa ein Thema war, Verfechter des europäischen Gedankens. Die Rede ist natürlich von “Trans Europa Express“. Wie kamen KRAFTWERK auf dieses Thema?  Noch einmal Ralf Hütter.

 

Ralf Hütter:

 

Ja das ist unser ..... sagen wir ’mal ..... s.. Lebenssituation jetzt in Düsseldorf oder so ist ’ne halbe Stunde von Holland, ’ne Stunde von Belgien, wir haben Freunde in Paris - wir fahren vier Stunden über die Autobahn. Ööh wir waren immer in Bewegung und ööh äh .. dann  “Trans Europa Express“ ist ein .. so ’ne Art Vision eines äh sagen wir ’mal sinfonischen ..  und geräuschvollen metallischen Musikinstrumentes, dass quer durch Europa fährt, also ist so eine mmh Mischung aus mmh Fiction und und und eigentlich Alltags ääh wirklichkeit, beinhaltet auch so metallische Geräusche – öööh “Metall auf Metall“, Puffer und metallische ääh, klingende Geräusche und äääh eigentlich so .. mm .. windartige Geräusche eben mnn, die dann irgendwelche melodischen Formen annehmen, es ist also visionär - und fährt eben von Paris nach Wien, nach Düsseldorf.

“Trans Europa Express“ (“The Mix“) wird gespielt

Eckie Stieg:

“Metall auf Metall“. KRAFTWERK und “Trans Europa Express“.

“Ätherwellen“ (“Radioaktivität“) wird gespielt


Eckie Stieg:


Wenn Wellen schwingen, ferne Stimmen klingen. “Ätherwellen“. KRAFTWERK von ihrem ’75er Album “Radioaktivität“. Diese naiven Kinderreime sind seit “Autobahn“ ein Markenzeichen von KRAFTWERK. Sie stehen im Einklang zur computerisierten, damals noch avantgardistischen Musik. Zwei Gegensätze, die perfekt harmonieren.

Ralf Hütter:

 

Wir haben unsere Musik schon bezeichnet als elektronische Volksmusik. ... Die also eine  .. eher Simplizität hat, also wenn man mit wenigen Worten das aussagen kann, dann braucht man nicht mehr Worte.

“Neonlicht“ (“Mensch Maschine“) wird gespielt

Eckie Stieg:

“Neonlicht“. KRAFTWERK von ihrem ’78er Album die “Mensch Maschine“. “Neonlicht“, ein Stück, dass zahllose Musiker inspirierte, ein Stück, dass unzählige Male gesampled worden ist.


“Radioaktivität“ (“Radioaktivität“) wird gespielt

Eckie Stieg:

KRAFTWERK und “Radioaktivität“. Hier im Original von ihrer ’75er LP.  “Radioaktivität“ ist eines der Stücke, die sich im Verlaufe der KRAFTWERK-Karriere nicht nur musikalisch, sondern auch textlich radikal verändert haben. Aus dem wertfreien Original wurde auf dem neuen Album “The Mix“ ein Statement gegen Atomkraftwerke. Aus “Radioaktivität“ wurde “Stoppt Radioaktivität!“. Vielleicht der einzige KRAFTWERK-Song, der bewusst Stellung bezieht.

Ralf Hütter:

 

Äh nach diesen Unfällen äh kann man das so nicht weitermachen. Na das war damals eine eine Fiktion äh einerseits die Strahlung oder Ausstrahlung von Radiowellen in die Gehirne über die Ohren der Zuhörer. Und äh eben die Strahlung von ähmmmm ... Kernenergie eben die ..... mm in die Atmosphäre strahlt und ähh das war also ein ein Fiction, dass sich das irgendwie ähm künstlerisch so .. elektronische Musik hat ihren Ursprung auch in der Radiowelt also die strahlt auf einer Seite äh elektronische Wellen äh aus und äh eben hier die Kernenergie, die strahlt eine.. eine andere Strahlung aus und dazwischen sind aber wie gesagt diese Dinge passiert und man .. äh wir haben uns eben entschlossen eben eine klare Aussage zu geben.

“Radioaktivität“ (“The Mix“) wird gespielt

Eckie Stieg:

“Radioaktivität“. Die ’91er Version vom neuen KRAFTWERK-Album “The Mix“. “The Mix“ bestätigt einmal mehr, was den Fans der Band schon lange klar ist: KRAFTWERK sind eine exzellente Pop-Band. Vielleicht die einzige deutsche Pop-Band, die die internationale Musikwelt nachhaltig beeinflusst hat. KRAFTWERK-Einlüsse sind zu hören in so unterschiedlichen Bereichen wie der Hip-Hop-House-Musik aus Detroit oder der Electronic-Buddy-Music aus Belgien. Ihre Einflüsse sind zu hören bei "Africa Bambaataa", "Depeche Mode", "Human League" oder "Front 242". Welche dieser musikalischen Richtungen kommt den Ideen von KRAFTWERK am nächsten? Noch einmal Ralf Hütter: .

Ralf Hütter:

 

Überhaupt dass ... dass sich das ääh so .. ähm durchsetzt ääh  jede ... Ausdrucksform innerhalb der elektronischen Musik hat ihre eigene Identität und ähm wenn die Musik in Detroit elektronisch ist, dann wird die ’ne andere Form annehmen als jetzt in Belgien oder in England und unsere ääh hat eben eine Form angenommen aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet mit unseren Erfahrungen, die da zum Ausdruck kommen eben, wir haben immer gesagt, dass mit elektronischen Musikinstrumenten ... eigentlich die Ausdrucksmittel da sind ääh von 20 bis 20.000 Hertz, die man heutzutage irgendwie äh.. eigentlich haben sollte und ääh es hat sich irgendwie durchgesetzt. Es ist fantastisch eben, dass das in verschiedenen Ländern eben verschiedene Gestalt annimmt.

 

Eckie Stieg:

So weit Ralf Hütter. KRAFTWERK werden nach ihren Konzerten in England und Amerika im Herbst auch auf Deutschland-Tournee kommen. Das war das KRAFTWERK-Porträt in der “Radio FFN Power-Station“, zum Schluss der KRAFTWERK-Klassiker schlechthin, Autobahn:

 

(Anmerkung: Hier habe ich die Kassette seinerzeit umdrehen müssen, es fehlt vermutlich aber nur der Hinweis auf die ’91er Version von “Autobahn“)


 

“Autobahn“ (“The Mix“) wird gespielt



Schlusswort: Ich war am 25.09.2002 zu meinem ersten Konzert von KRAFTWERK in Paris. Die Erwartungen waren hoch, es war zudem alles zusammen recht kostspielig und - was soll ich sagen - definitiv jeden einzelnen Cent wert. Ein großartiges Erlebnis. Hoffentlich kann ich das demnächst, vielleicht sogar in Deutschland, wieder erleben.

Am 04.08.2003 kam ein neues KRAFTWERK-Album in den Handel. Der Titel: Tour de France Soundtracks. Es kletterte sofort auf Platz 1 der deutschen LP-Charts. Ein verdienter Platz für ein hervorragendes Album, ich hoffe auf mehr!

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